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Alt 24.03.2017, 10:56   #1
Gabi
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Beiträge: 96
Standard Aus zwei mach VIER!

Ich habe mal wieder sehr eindrücklich vorgelebt bekommen, dass Meeris sich in einer Gruppe sicherer und wohler fühlen und möchte euch das nicht vorenthalten:
Vor drei Wochen habe ich zwei kastrierte Meerimänner bei mir zur Vermittlung aufgenommen.
Die beiden bekamen erst mal ein eigenes Abteil von rund 6 m2 mit zwei Chalets drin und diversen Verstecken. Rechts und links ihres Abteils leben meine eigenen Tiere - da war also immer was los.
Trotzdem habe ich von den beiden kaum je eine Nasenspitze zu sehen bekommen. Das Frischfutter, das ich immer ins Gehege lege, nie in die Häuschen, war irgendwann jeweils weg - aber ohne dass ich einen der Helden beim Fressen beobachten konnte. Im allerbesten Fall konnte ich mal einen Blick vom Küchenfenster her erhaschen, wenn sie sich völlig unbeobachtet fühlten.
Nach zweieinhalb Wochen Quarantäne habe ich dann am letzten Sonntag zwei weitere Kastraten dazugesetzt: theoretisch hätten sie sich schon durchs Gitter kennenlernen können, denn die lebten bisher gleich nebenan. Ob da je ein Kontakt stattgefunden hat, bezweifle ich allerdings, denn die beiden Übernahmetiere waren ja kaum je draussen. Wie also sollten die Kontakt haben?
Die Zusammenführung verlief ausgesprochen reibungslos. Zu meiner grössten Verblüffung waren offenbar beide Übernahmekastraten der Ansicht, dass sie die Führung beanspruchen müssten, nicht etwa der ältere, den ich dazugesetzt habe. Die Diskussionen wurden aber sehr vorsichtig und diplomatisch geführt. Mann hielt allenfalls mal die Nase schräg nach oben oder lüpfte das Hinterteil seitwärts. Wenn der andere dann einen halben Schritt zurücktrippelte, war bereits wieder alles gut.
Und am zweiten Tag sassen sie auch schon alle vier in einem Chalet beisammen...
Wer letztendlich wirklich Chef ist, kann ich nicht sagen. Sicher einer der Vermittlungsherren. Aber ob die jetzt eine Co-Führung haben oder ob da einer Chef und einer Stevau ist, lässt sich nicht wirklich unterscheiden.
Klar ist aber, dass sich die vier ausgezeichnet arrangiert haben, ohne ein einziges Mal ein Gerenne zu veranstalten, ohne Klappern, ohne Bananentanz, geschweige denn Zahneinsatz.

Und das allerbeste ist natürlich das völlig veränderte Verhalten der beiden Notfallschweinchen: die sind wie umgekehrte Handschuhe! Neugierig wuseln sie durchs ganze Gehege, sind meist als erste draussen, wenns Frischfutter gibt, düsen zwar sofort in Deckung, wenn ich die Tür öffne (na hoffentlich auch! Ein bisschen Fluchtinstinkt ist immer hilfreich!), kommen aber bald wieder zum Vorschein und futtern dann ganz gemütlich, selbst wenn die Kamera klickt. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich fast immer einen der beiden draussen, entspannt, aufgestellt, neugierig... halt, wie ich es gerne sehe. Die haben eine völlig neue Sicherheit gefunden durch die Gruppe. Und witzigerweise sind die beiden Kastraten, die ich dazugesetzt habe, nicht etwa vorwitzige Rotznasen, von denen die Vermittlungstiere ein neues Verhalten lernen, sondern es sind eher scheue Tiere, die sehr schnell in Deckung gehen. Aber durch die neuen Rollen als Chefs haben die Vermittlungstiere offenbar ihr Ego auf ungeahnte Weise aufpolieren können und haben jetzt ein völlig anderes Selbstgefühl.

So cool!!!!


Die Gruppe wird übrigens dann gelegentlich abzugeben sein - aber die sollen sich jetzt erst noch so richtig gut aneinander gewöhnen und noch mehr Sicherheit entwickeln, bevor sie dann gemeinsam noch einmal einen Umzug verkraften müssen.
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Alt 02.04.2017, 13:45   #2
Ragusa
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Beiträge: 45
Standard Gruppenleben

Hoi Gabi

Schön, Deine Beschreibung. Ich habe die Geschichte mit Genuss gelesen.

Du hast völlig recht, es ist immer wieder schön und sehr rührend, mit anzusehen, wie Schweinchen aus kleinen Gruppen oder Paarhaltung sich schnell und unkompliziert in ein kleineres oder grösseres Rudel einfügen. Verängstigt und unsicher sind sie ja oft, weil sie z.B. aus mangelhafter Haltung kommen, sei es aus (kleinen) Käfigen ohne Einrichtung, aus Kinderzimmer als ehem. Spielzeug, oder im Gegenteil lange nicht beachtet wurden. Und eben auch, weil ihnen die Gruppe und die damit verbundene Sicherheit gefehlt hat.

Manchmal bringen Leute ihre ein oder zwei Schweinchen und versichern hoch und heilig, dass diese auf keinen Fall mit anderen Säulis zurechtkommen, dabei lechzen die Tiere förmlich nach Gesellschaft und sind dann innert kürzester Zeit sehr gut in eine Gruppe integriert. Und dies unabhängig von Alter und Geschlecht.

Ich hoffe, Du findest einen guten Platz für das Quartett.

Liebe Grüsse
Dors


PS: Ich hätte auch noch ein harmonische Bubenquartett, welches gegebenenfalls an einen Platz in grosszügiger Haltung abzugeben wäre!
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Nathanja (02.04.2017)
Alt 28.04.2017, 08:41   #3
Gabi
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Beiträge: 96
Standard

Möchte euch doch noch berichten, wie es mit dem Quartett weitergegangen ist - denn die Geschichte macht wirklich Freude!

Ich habe eine Mailanfrage, sie hätten jetzt grad ein Gehege fertiggestellt, 30 Quadratmeter gross und möchten da drin eine Gruppe Meeris aufnehmen und später noch Kaninchend dazusetzen.

Hm... erste Reaktion: schön gross, super. Aber mit Kaninchen? Da bin ich ein bisschen vorsichtig geworden, obwohl ich auch Gruppen kenne, wo es gut läuft.
Und wie steht es wohl mit der Sicherheit bei dieser Grösse?
Also erst mal vorsichtig Kontakt aufnehmen und nach Bildern fragen.

Nach den ersten Fotos hatte ich noch gemischte Gefühle. Es gab da einige Punkte, die mich noch unsicher machten. Ich mailte zurück und meldete meine Bedenken an. Die Reaktion kam prompt und war einfach toll. Das eine oder andere hatten sich die Interessenten bereits selber überlegt und sie setzten subito alles um. Kurz darauf bekam ich weitere Bilder und freute mich riesig. Ich mag Tierhalter, die wirklich sofort etwas unternehmen, wenn sie Mängel entdecken. Da kann man auch davon ausgehen, dass sie im Falle eines Falles, wenn eine Gruppe auf einmal nicht mehr gut harmonisiert, halt blitzschnell einen Plan B entwickeln und umsetzen, bevor einzelne Tiere wirklich leiden.

Als nächstes kam die Anfrage, ob man zu den vieren vielleicht noch einen von meinen jungen Frühkastraten dazusetzen könnte. Und zwar - witzig - fragten die Interessenten just nach dem einzigen, der noch nicht reserviert war. Da bisher Tingle oft etwas für sich unterwegs gewesen war, schien es mir genial, noch einen weiteren Bubi dazuzusetzen. Unterdessen war der ja auch bereits sechs Wochen alt, also nicht mehr ganz, ganz klein.
Probehalber habe ich ihn zusammen mit einem seiner Brüder zu der Gruppe gesetzt (absichtlich nicht einzeln, damit er es leichter haben sollte, sich da einzugewöhnen). Es zeigte sich aber sofort, dass die Brüder sich gegenseitig nicht brauchten, der Kleine hängte sich sofort an Felix und sass schon sehr bald mitten zwischen den Grossen.
Also konnte sein Bruder wieder zu den andern, mit denen er dann später ja auch gemeinsam ausziehen sollte. Und ab sofort war aus dem Quartett ein Quintett geworden.

Wenige Tage später zogen alle fünf gemeinsam aus. Unterdessen habe ich schon zweimal Bilder bekommen und kurze Berichte. Es klappt super und ich bin überzeugt, die Gruppe wird problemlos auch mit jungen Kaninchen zurechtkommen, die sind offensichtlich ein ausgezeichnetes Team.
Es ist in so einem Fall natürlich ideal, wenn die Meeris zuerst einziehen und die Kaninchen erst später dazukommen. So kommen nämlich die Kaninchen in ein fremdes Revier und werden nicht aggressiv reagieren. Umgekehrt wäre das deutlich heikler: Meeris ins bestehende Revier von Kaninchen zu setzen, geht oft gar nicht gut aus, denn Kaninchen verteidigen mitunter schon extrem.
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